Sind
Arzneimittel im Internet wirklich billiger als in der Apotheke?
In Deutschland
werden die Preise für Arzneimittel durch die Arzneimittelpreisverordnung gesetzlich
geregelt. Gemäß dieser Verordnung hat in Deutschland ein
Arzneimittel in jeder Apotheke den gleichen Preis.
Dies verhindert
„Geschäftemacherei“ zu Lasten der Patienten. So bleiben
Arzneimittelpreise stabil, auch wenn die Nachfrage steigt. Somit bleiben
beispielsweise die Preise für ein Erkältungsmittel niedrig - auch bei
Einsetzen einer Grippewelle.
Auf Arzneimittel
werden in Deutschland 16 % Mehrwertsteuer erhoben. Dies ist der höchste
Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel in Europa. Außerdem genehmigen sich
die gesetzlichen Krankenkassen automatisch 6% Rabatt, den so genannten Kassenrabatt, vom
Bruttoverkaufspreis eines jeden auf Kassenrezept abgegebenen Arzneimittels. Von
der Krankenkasse werden also automatisch nur 94% des Bruttoverkaufspreises an
die Apotheke zurückerstattet.
22% des
Bruttoverkaufpreises eines auf Kassenrezept abgegebenen Arzneimittels werden
also an den Staat bzw. an die Krankenkasse abgeführt.
In den
Niederlanden werden Arzneimittel mit nur 6% Mehrwertsteuer belegt. Der
Kassenrabatt entfällt ganz. Außerdem braucht der Patient bei einer
Versandhandelsapotheke keine Zuzahlung zu entrichten.
Auf den ersten
Blick ist der Versandhandel also billiger. Aber:
Die Krankenkassen
verzichten freiwillig auf den Kassenrabatt und auf die Zuzahlung, legen diese
also für den Patienten aus.
Die billigere
Mehrwertsteuer fließt ins europäische Ausland und geht somit dem
deutschen Staat verloren.
Das deutsche
Gesundheitssystem hat also beim Internethandel mit Arzneimitteln auch
erhebliche Mindereinnahmen zu verzeichnen.
Übrigens: In
den USA wurde der Versandhandel mit Arzneimitteln bereits vor einigen Jahren
eingeführt. Seitdem sind die Ausgaben für Arzneimittel in die
Höhe geschnellt. Allein im letzten Jahr wuchsen die Ausgaben für
Arzneimittel um 15%.